Einer der Fehler, welche bei meinem Hausbau gemacht wurden, liegt im Bereich des Putzes. Sowohl der Innen- als auch der Aussenputz hält nicht auf den Wänden und lässt sich mit relativ geringem Aufwand wieder entfernen:
Alle Wände, bei welchen es hier zur Problemen kommt, wurden mit Euromac2 Schalungselemten (Styropor Schalungssteine) erstellt und anschliessend mit Beton verfüllt. Diese Wandelemente bestehen aus expandiertem Polystrol (EPS) und verfügen über konisch ausgeformte und vertikal verlaufende Nuten welche die Verbindung zwischen Wandelement und Putz herstellen sollen. So sieht die Oberfläche eines bei meinem Haus verwendeten Stein von oben aus:

Die Nuten in den Elementen sind, laut Aussage von Euromac2, ein wichtiges Detail beim Verputzen. Die Nuten werden beim Verputzen durch den Putz gefüllt. Durch die Schwalbenschanz-Form der selbigen wird der Putz nun in den Nuten und somit an der Wand gehalten (Wikipedia zum Thema “Schwalbenschwanzverbindung”). In meinem Fall liegt dummerweise der Bereich zwischen den einzelnen Nuten hohl, der Putz haftet nur in den selbigen und hat keinerlei Bindung auf dem Hauptteil der Wände – Problem 1 beim Putz meines Hauses wäre also identifiziert.
Im Fall meines Hauses wurde nun der Gipsputz im Inneren des Hauses direkt auf die EPS-Schalungselemente aufgebracht. Der Hersteller der Schalungselmente empfiehlt jedoch die Verwendung von Kalk-Zementputz. Auch wenn es mich nicht wirklich verwundert dass der Verputzer meines Bauträgers hier den falschen Putz verwendet haben soll so habe ich mich doch dazu entschieden Rücksprache mit einigen Putzherstellern zu halten um diesen Punkt zu verifizieren.
Bei diesen Nachfragen sind die folgenden Anforderungen für das Verputzen der Euromac2 Bauelemente herausgekommen, welche wohl auch für andere Styroporelemente gelten sollten:
Die grundsätzliche Aussage “Der Putzuntergrund sollte grundsätzlich trocken, sauber, staubfrei und tragfähig sein” klingt für mich durchaus logisch – doch beinhaltet diese bereits die erste Frage für mich:
Ist ein Styroporuntergrund ein tragfähiger Untergrund?
Wenn man sich das Ergebnis der Verputzung in meinem Haus anschaut kann man diese Frage wohl nicht ohne weiteres mit einem Ja beantworten. Offensichtlich herrschte aus diesem Grund Einigkeit bei allen Putzunternehmen und Putzherstellern mit welchen ich gesprochen habe in dieser Frage – so hörte ich überall die folgende Aussage:
EPS-Schalungssteine sollten mit einer Haftbrücke vorbehandelt werden. Nach einigem Hinterfragen wird die Aussage durch die folgende Detaillierung für mich verständlicher:
Schwach saugende und glatte Oberflächen sollten mit einer Haftbrücke, stark saugende Untergründe mit einer Grundierung (Aufbrennsperre) vorbehandelt werden.
Das nächste Problem liegt also offensichtlich darin, dass der Untergrund (in meinem Fall eben Euromac2 Bauelemente / expandiertes Polystrol / Styropor) nur schwach saugend bis gar nicht saugend und gleichzeitig noch relativ glatt sind. Die “Schwalbenschwänze” in den Steinen bieten zwar durch Ihre Form einen gewissen halt, dennoch genügt dieser Halt bei einem einfachen Gipsputz wohl nicht um diesen wirklich stabil auf der Wand zu halten.
Dieser Haftgrund wurde beim Verputzen meines Hauses leider eingespart:

Somit erklärt sich auch mir warum der Innenputz im Haus teilweise als Quadratmetergrosse Stücke von der Wand fallen, wenn man diesen “ein klein wenig dazu auffordert“. Ich möchte nicht wissen wie die Wände sich verhalten hätten, wenn man im Haus gewohnt hätte und die Wände den normalen Beanspruchungen hätten stand halten müssen …
Welche Haftbrücke hier nun zu verwenden ist hängt laut Aussage der Experten wohl davon ab, welcher Putz auf die Haftbrücke aufgebracht werden soll. So wurde hier zwischen organischen und mineralischen Haftbrücken unterschieden:
- gipshaltiger Innenputz
-> mineralische Haftbrücke
- Kalk- / Kalkzementputzen
-> organische Haftbrücke
Ist der Untergrund mit der Haftbrücke versehen kann der Putz “wie gewohnt” aufgebracht werden. Sprich – das “normale” Verputzen mit Gewerbeunterlagen an wechselnden Materialien, Eckschienen etc …
Vielleicht hilft diese Aufstellung ja dem ein anderen Bauherren dabei ähnliche Fehler beim Verputzen seines Hauses zu vermeiden … dann hätte es wenigstens etwas gutes gehabt dass ich mich mit dem Thema so tief beschäftigen musste.